Qigong und Taijiquan - die chinesischen Bewegungsübungen

Wer kennt sie nicht, die Bilder von Chinesen, die in großen Gruppen in Parks und auf Plätzen gemeinsam fließende langsame Bewegungen – Qigong- oder Taiji-Übungen – durchführen. Während die ältesten Aufzeichnungen von Qigong-Übungen aus vorchristlicher Zeit stammen, praktizieren nicht nur im modernen China viele Menschen diese Bewegungsübungen zur Harmonisierung und Kräftigung, sondern auch im Westen wird ihre Bedeutung zunehmend anerkannt. Obwohl diese Übungen vor dem Hintergrund fernöstlicher Weltanschauungen entstanden sind, können auch Menschen im Westen sie ohne Furcht vor mystischer oder religiöser Überfrachtung praktizieren und davon profitieren.

Ein Mann praktiziert Taiji

Im Lauf der Zeit wurden viele unterschiedliche Qigong-Übungen (frei übersetzt: Kunstfertigkeit am Qi) entwickelt. Allgemein wird mit diesen, meist in relativ kurzer Zeit erlernbaren Übungen, das Ziel verfolgt, die Reserven und den Fluss des Qi (der „Lebensenergie“) zu stärken und zu harmonisieren. Dazu wird mit Hilfe der Vorstellungskraft, der Atmung und bestimmten Körperhaltungen, in der Regel unterstützt durch einfache Bewegungen, die Wahrnehmung, Lenkung und Bewahrung der körpereigenen Energien erlernt und geübt.

Das Taijiquan soll einer Sage nach von einem daoistischen Mönch im 13. Jahrhundert entwickelt worden sein, der eines Tages einen Kampf zwischen einer Schlange und einem Kranich beobachtete und – tief beeindruckt von der Anmut und der Geschicklichkeit der Bewegungen dieser Tiere – eine neue Kampfkunst, das Taijiquan, entwickelte.
Das Taijiquan – über lange Zeit in geheimer Familientradition weitergegeben – ist eine so genannte weiche Kampfkunst, das heißt, der Schwerpunkt liegt dabei nicht auf harten Angriffstechniken, sondern ähnlich wie beim Qigong auf der Kontrolle und Lenkung von Energien. Die verschiedenen Übungsformen werden heutzutage vorwiegend zur Gesunderhaltung und Ertüchtigung praktiziert, da sie nach chinesischer Auffassung nicht nur vor Angreifern schützen, sondern auch Krankheiten abwehren helfen.