Impfung gegen Humanes Papilloma Virus (HPV) - wirksam und sicher gegen Gebärmutterhalskrebs?

Informationen zu einer in der Fachwelt umstrittenen Impfung

Infektion mit Humanen Papillomviren und Gebärmutterhalskrebs

Die so genannte HPV-Impfung (Impfung gegen Humanes Papilloma Virus) soll Frauen vor der Entwicklung eines Zervixkarzinoms (Gebärmutterhalskrebs) schützen. Diese Erkrankung gilt weltweit als die zweithäufigste Krebstodesursache bei Frauen, konnte aber bei uns durch die Einführung der regelmäßigen Früherkennungsuntersuchungen („Pap-Test“) stark eingedämmt werden, so dass das Zervixkarzinom heutzutage in der Liste der häufigsten Krebsarten bei Frauen an zehnter Stelle steht und bei den Todesfällen durch Krebserkrankungen den zwölften Platz einnimmt.

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Da in fast allen Zervixkarzinomen humane Papillomviren (HPV) nachgewiesen werden konnten, wird zwischen HPV-Infektion und Krebserkrankung ein ursächlicher Zusammenhang vorausgesetzt. Die vorwiegend sexuell übertragenen Infektionen mit Papillomviren sind ausgesprochen häufig - etwa 70 % aller Frauen werden im Laufe ihres Lebens mit mindestens einem der über 35 den Genitalbereich befallenden HPV-Typen infiziert.

In der Regel verlaufen die Infektionen ohne Beschwerden und klingen folgenlos ab, gelegentlich jedoch verlaufen die Infektionen chronisch und können z.B. zu Genitalwarzen sowie zu Zellveränderungen (Dysplasien) im Bereich der Scheide und des Muttermundes führen. Aus letzteren kann sich im Lauf der Zeit ein Zervixkarzinom entwickeln. 13 HPV-Typen gelten als so genannte Hochrisiko-Typen für die Krebsentstehung, wobei in der Literatur bisher für etwa 70% der Erkrankungen die HPV-Typen 16 und 18 verantwortlich gemacht wurden.

Was bewirken die Impfungen?

Die seit Ende 2006 auf den Markt gebrachten Impfstoffe sollen gegen die Typen 16 und 18 (Gardasil®, Cervarix®) schützen bzw. zusätzlich gegen die HPV-Typen 6 und 11 (Gardasil®), die als hauptverantwortlich für harmlose Genitalwarzen gelten. Hinsichtlich der Karzinomentstehung jedoch gelten die Typen 6 und 11 als Niedrigrisiko-Typen.

Die Ergebnisse der bisher veröffentlichten Studien (mit Frauen zwischen 16 und 26 Jahren

  • Den Studien zufolge schützt die Impfung während des Beobachtungszeitraums (Gardasil®: durchschnittlich drei Jahre; Cervarix®: im Mittel 15 Monate jeweils ab Studienbeginn) vor neuen Infektionen mit den HPV-Typen, gegen die geimpft wurde sowie damit verbundene Dysplasien aller Schweregrade. Das gilt jedoch nur, wenn die geimpften Frauen bis zum Abschluss der so genannten Grundimmunisierung (3 Impfungen) nicht schon mit diesen HPV-Typen infiziert waren.
  • Bereits bestehende Infektionen und sich daraus ergebende Dysplasien der genannten HPV-Typen wurden nicht beeinflusst, ebenso wenig wie Infektionen mit anderen Papillomvirus-Typen.
  • Der Anteil von Dysplasien, die durch andere als die in den Impfstoffen enthaltenen HPV-Typen verursacht worden waren, erwies sich mit bis zu 44% als überraschend hoch.
  • Der vorbeugende Effekt der Impfung im Hinblick auf höhergradige, also bedrohliche Zellveränderungen, war deutlich geringer als angenommen.

Weitere Fakten

  • Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat eine generelle Empfehlung für die HPV-Impfung junger Mädchen ausgesprochen.
  • Die Kosten für die Grundimmunisierung betragen derzeit € 465,-
  • Das Präparat Gardasil® war im Jahr 2007 in Deutschland das mit Abstand umsatzstärkste Medikament.

Welche Fragen bleiben offen?

  • Für die Altersgruppe der 9-15-jährigen Mädchen ohne bisherigen Sexualverkehr, also der für die Impfung eigentlich vorgesehenen Zielgruppe, liegen noch keine Daten vor.
  • Es sind eine Reihe von teilweise schwerwiegenden Nebenwirkungen bis hin zu schweren Nervenschäden und Todesfällen im zeitlichen Zusammenhang mit HPV-Impfungen berichtet worden. Noch ist unklar, wie sicher die Impfung ist bzw. welche Risiken von ihr ausgehen.
  • Angesichts von Beobachtungszeiträumen von kaum mehr als drei Jahren sind keine Aussagen über die Dauer des Impfschutzes im Hinblick auf HPV-Infektionen möglich, ganz zu schweigen von einem vorbeugenden Effekt hinsichtlich der Verhütung von Zervixkarzinomen im späteren Lebensalter. Ob die Impfung schwere Dysplasien, Krebserkrankungen bzw. Todesfälle überhaupt verhindert, und wenn ja, in welchem Ausmaß, wird sich erst in Jahren bis Jahrzehnten herausstellen.
  • Auch andere HPV-Typen als die mit den Impfstoffen bekämpften spielen eine wichtige Rolle bei der Krebsentstehung, möglicherweise in viel größerem Ausmaß als bisher angenommen.
  • Da aus den vorgenannten Gründen wird der „Impfschutz“ vor Erkrankungen und Todesfällen durch Zervixkarzinome zwangsläufig unvollständig und lückenhaft bleiben, wobei noch etliche Jahre unklar bleiben wird, in welchem Umfang. Darum bleibt die anerkanntermaßen erfolgreichste Früherkennungsmaßnahme - die Untersuchung des Muttermunds mit dem „Pap-Test“ - weiterhin der wichtigste Schutz der Frauen vor dem Zervixkarzinom. Es ist jedoch zu befürchten, dass die durch eine massenweise Impfung und die damit verbundene Werbekampagne vermittelte Scheinsicherheit dazu führt, dass die Früherkennungsuntersuchung von geimpften Frauen weniger wahrgenommen werden wird als bisher. Dadurch könnten trotz Impfung auftretende Karzinome zu lange unerkannt bleiben, um noch eine lebensrettende Behandlung durchführen zu können. Sollte diese Entwicklung eintreten, würde ein Teil der noch ungeklärten krebstod-schützenden Effekte der HPV-Impfung wieder aufgehoben werden.

Der jetzige Stand der öffentlichen Diskussion (Juni 2009)

  • Der Impfstoff Cervarix®, in Deutschland seit 2007 auf dem Markt, hat in den USA bisher keine Zulassung erhalten.
  • Das arznei-telegramm®, ein anzeigenfreier Informationsdienst für Ärzte und Apotheker, hält den Nutzen der HPV-Impfung zum jetzigen Zeitpunkt für nicht geklärt und die „Bestrebungen, möglichst viele Mädchen möglichst schnell zu impfen, [...] beim jetzigen Kenntnisstand für nicht gerechtfertigt.“ (arznei-telegramm 2008; Jg. 39, Nr. 9)
  • Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) der Ärzte und Krankenkassen, zuständig für die Aufnahme von medizinischen Leistungen in den Katalog der von den Gesetzlichen Krankenkassen zu erstattenden Leistungen, hat im Januar 2009 die Ständige Impfkommission (STIKO) zur Neubewertung der Empfehlung für die HPV-Impfung aufgefordert.